LERNEN MIT ZUKUNFT

information & erziehung Schuldgefühle – Der arme Roland Erziehung ist (k)ein Kinderspiel: 28 | DEZEMBER 2018 R olands Mutter ist Alleinerzieherin. Sein Vater besucht ihn nur selten. Sie erzieht ihn partnerschaftlich und voller Wertschätzung, doch fordert sie dies umgekehrt nicht ein. Sie will ihn schließlich nicht unterdrücken. Er hat alle Rechte, sie alle Pflichten. In der kleinen Wohnung hat sie weder Raum noch Zeit für sich selbst. Roland hängt an seiner Mutter und ist mit 7 Jahren hilflos ohne sie. AUS MITLEID WIRD ALLES ENTSCHULDIGT Gleichzeitig ist er rücksichtslos und fordert sie immer öfter zum Machtkampf heraus. Sobald Roland ein Problem hat, wird sie weich. Er hat sich weh getan? „Du armes Kind!“ Er schlägt seine Mitschüler? „Man hat ihn schließlich provoziert“. Die Lehrerin tadelt ihn: „Sie sollte doch Verständnis haben, weil...“ Er hat keine Freunde? „Die sind egoistisch und böse“. Das Drama des Kindes: einerseits Ablehnung durch Vater, Großel- tern, Freunde, andererseits falsche Kompensation durch die Mutter. Sie setzt ihm zu wenig Grenzen, löst all seine Probleme und nimmt ihn auch dann in Schutz, wenn er im Unrecht ist. HALT STATT NACHGIEBIGKEIT Wie kann sich die Mutter aus dieser „Teufelsspirale“ wieder befreien? Sie muss aufhören, sich für alles verantwortlich und zuständig zu fühlen. Sie muss sich abgrenzen und auch für sich selber sorgen. Roland braucht mehr Widerstand und Halt statt Nachgiebigkeit. Zwei Dinge gilt es zu unterscheiden: Es ist wichtig, Verständnis für das Kind zu haben und es nicht ins „böse Eck“ zu stellen. Kinder müssen immer die Solida- rität ihrer Eltern spüren können, auch und gerade dann, wenn sie "schlimm" sind. Aber deshalb darf man die Dinge nicht verharmlosen, sondern muss sie beim Na- men nennen und angemessen reagieren. Der 7-jährige Roland muss auch Kritik er- tragen lernen (statt darauf mit „du Blöde“ der Mutter oder der Lehrerin gegenüber zu reagieren) und mit den Folgen seines Tuns konfrontiert werden, mit Konsequenzen und nötigenfalls auch mit Strafe. Wenn ihm die von Schuldgefühlen geplagte Mut- ter all das „ersparen“ will, nimmt sie ihn in Wirklichkeit nicht ernst und legt so erst recht den Grundstein für seine derzeitigen und künftigen Schwierigkeiten. KINDER ERMUTIGEN, DEN EIGENEN ANTEIL ZU AKZEPTIEREN Die Mutter muss Roland hinführen, auch die Bedürfnisse anderer und vor allem ihre eigenen zu respektieren und den persön- lichen Anteil am jeweiligen Problem zu erkennen. Eine Möglichkeit wäre: „Erzähl mir, wie es dazu gekommen ist“ - offen und wohlwollend fragen, damit der Bub nicht in Abwehr geht, sondern die Mög- lichkeit hat, selber zur Einsicht zu gelan- Mag. a Maria Neuberger- Schmidt Autorin und Gründerin Verein Elternwerkstatt www.elternwerkstatt.at Foto: Ingrid Perger Elternwerkstatt DIE ZUSAMMENARBEIT DER ELTERN UND ERZIEHER IST BESONDERS WICHTIG Illustrationen: © Eugen Kment

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