LERNEN MIT ZUKUNFT Ausgabe März 2014 - page 27

Hochsensibilität:
INTENSIVES ERLEBEN
Eine besondere Begabung?
MÄRZ 2014 | 27
information & persönlichkeit
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ONLINEZEITUNG:
W
enn Sie sich schnell überfordert
fühlen oder sich bei zu viel
Lärm und großen Menschen-
mengen häufig zurück ziehen möchten,
kann das daran liegen, dass Sie zu den
Menschen gehören, die man als „Hoch-
sensible Persönlichkeiten“ bezeichnet.
Die amerikanische Psychologin Dr.phil.
Elaine N. Aron fand heraus, warum das
so ist und prägte den Begriff HSP (highly
sensitiv person). Demnach ist Sensibilität
eine Eigenschaft des Nervensystems in
der Verarbeitung von Informationen im
Körper und Gehirn über die Nervenleit-
bahnen. Bei hochsensiblen Menschen
funktioniert nun diese Verarbeitung an-
ders als bei weniger sensiblen Menschen.
Sie nehmen wesentlich mehr Details aus
ihrer Umgebung wahr und verarbeiten
ihre Sinneseindrücke komplexer.
Häufig glauben HSP, die um ihre Veran-
lagung noch nicht wissen, mit ihnen sei
etwas nicht in Ordnung, sie seien krank
und behandlungsbedürftig. Denn in
unserer modernen Gesellschaft, zählten
Kraft, Stärke und Schnelligkeit. Nach-
denklichkeit, Reflexion und langsameres
Handeln sind heutzutage eher ein Zei-
chen von Schwäche.Dabei kann Hochsen-
sibilität aufgrund der hohen nervlichen
Aktivität zu besonderen Begabungen
führen. Viele HSP sind außergewöhnlich
kreativ; andere sind durch ihr analy-
tisches Denken, ihre Geistesgegenwart
und fast pedantische Genauigkeit in
ihrem Beruf überaus leistungsfähig.
Oft werden sie als gute ZuhörerInnen
geschätzt, da sie ein feines Gespür für
Stimmungen und subtile Botschaften ha-
ben und das Vermögen ausstrahlen, mit
Verletzlichkeit behutsam umzugehen.
Vor allem bei hochsensiblen Kindern ist
es wichtig, auf diese Besonderheiten
zu achten und sie in ihrem Verhalten
zu unterstützen. Von außen betrachtet
gelten diese Kinder oft als schüchtern,
ängstlich oder introvertiert. Dabei haben
sie meist eine reiche Innenwelt, denken
gründlich nach und erforschen gern. Sie
brauchen einfach nur mehr Zeit für sich,
um ihre Eindrücke zu verarbeiten. Lässt
man sie in ihrem eigenen Rhythmus
das Leben entdecken, werden sie ihre
besondere Begabung als persönlichen
Reichtum verstehen und können auch
andere daran teilhaben lassen.
Bettina Bartsch-Herzog
Dipl. Lebens-und Sozialbe-
raterin, Erwachsenenbild-
nerin und Autorin
Foto: © Mikael Damikier - Fotolia.com
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